Titelgeschichten unseres Lebens.

Friedemann Malsch zu «Resonart»

Ein Kurztext

Von Marcel Duchamp, dem wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts, stammt die Aussage: «Das Kunstwerk entsteht im Auge des Betrachters».


Der Satz ist hochkomplex: er besagt, dass Kunst nur dann entsteht, wenn es zu einem aktiven Rezeptionsakt kommt, wenn die BetrachterInnen sowohl genau schauen wie auch über das Gesehene und das eigene Sehen nachdenken. Damit sagt Duchamp, dass das, was wir KUNST nennen, hochsituativ bedingt ist, denn wer nicht oder nicht genau hinschaut, verpasst die Erkenntnispotentiale, die Kunst ermöglicht. Diese aber helfen uns beim Verstehen der uns umgebenden Welt ebenso, wie sie uns auf uns selbst verweisen.

Philipp Zünd’s Projekt «Resonart» setzt aus Sicht der Kunst genau dort an, wo genaues Schauen dabei hilft, die Welt und sich selbst zu verstehen. Dabei wirken in besonderer Weise die Verbindung von Sprache und Bild sowie der durch die handwerkliche Umsetzung plastisch werdende Erkenntnisprozess.

Schaan I August 2026

Dr. Friedemann Malsch

Kunsthistoriker, Direktor des Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, i.R.